Psychoonkologie

Körperliche Erkrankungen, vor allem wenn sie unsere aktuelle Lebenssituation bzw. das Leben an sich bedrohen, stellen die bzw. den Betreffende(n) oft vor ungeahnte Herausforderungen. Die moderne Psychoonkologie beschäftigt sich mit seelischem Leiden und psychosozialen Problemen, welche durch eine Verdachts- oder bestätigte Krebsdiagnose bzw. Erkrankung entstehen oder ausgelöst werden, oder durch die Folgen medizinischer Behandlungen bzw. durch die damit einhergehenden psychischen, körperlichen und sozialen Veränderungen. Die Psychoonkologie beinhaltet neben der Forschung und Fortbildung für medizinische Behandler und Helfer auch direkte beraterische und therapeutische Hilfestellungen.

 

So suchen und finden viele Betroffene erst einmal entsprechende Hilfe bei ihren Ärzten, bei Freunden und in der Familie, was auch wichtige Voraussetzungen sind, um einen angemessenen Umgang mit einer schwerwiegenden Diagnose bzw. Erkrankung finden zu können. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Informationen im Internet (die den Suchenden allerdings oft nahezu überspülen), es lassen sich wichtige Hilfen in guten Büchern finden (aber es gibt auch nicht NUR gute Bücher). Für viele Betroffenen stellt die Selbsthilfegruppe eine zentrale Anlaufstelle dar, für sozialrechliche und orientierende Informationen öffnen regionale Tumorberatungsstellen freundlich ihre Türen. Auch die Anschlussheilbehandlung nach einem abgeschlossenen medizinischen Eingriff sowie die stationäre onkologische Rehabilitationsbehandlungbehandlung stellen wichtige Bausteine in der psychoonkologischen Versorgung dar. Nach gegenwärtiger Studienlage werden bei bis zu 40% der an einem malignen Tumor Erkrankten kriteriumsentsprechende psychische Störungen festgestellt. Die Zahl der Krebserkrankungen steigt, es gibt immer mehr Menschen, die mit einer akuten oder einer zurückliegenden Tumorerkrankung leben – und auch krebskranke Menschen werden dank der modernen Medizin immer älter. Das Erleben von Diagnose, medizinischen Behandlungen und zeitweiligen oder auch dauerhaften Beeinträchtigungen und Funktionseinbußen stellt an die Anpassungsleistungen der Betroffenen (einschließlich ihrer Angehörigen) meist eine große Herausforderung, die nicht selten an die Grenzen der Verarbeitungsmöglichkeiten und darüber hinaus führt.

Die Möglichkeit einer psychoonkologisch orientierten Psychotherapie kann Betroffenen helfen, ihren Weg mit ihrer Erkrankung besser finden und gehen zu können.

 

 

       Psychotherapie

Moderne Psychotherapie ist ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Behandlung von allein oder vorwiegend psychogen bedingten körperlichen und seelischen Störungen bzw. Erkrankungen mittels Kommunikation bzw. therapeutischer Beziehungsgestaltung. In Deutschland gelten die Psychoanalyse, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Verhaltenstherapie, die Gesprächspsychotherapie, die Gestalttherapie, die systemische Therapie und die Hypno- bzw. Hypnosetherapie zu den wichtigsten und am intensivsten erforschten Verfahren, wobei die drei erststehenden von den gesetzlichen Krankenkassen zugelassen sind und nach Antragsgenehmigung auch voll finanziert werden.

 

Für wen ist Psychotherapie gut?

 

Gehen wir von o.g. Beschreibung aus, benötigt jemand Psychotherapie, bei dem / der eine psychische bzw. psychosomatische Störung vorliegt, was auch die Voraussetzung für eine kassenfinanzierte Psychotherapie ist. Die Diagnose wird dabei von einem dazu befähigten Arzt oder Psychotherapeuten gestellt. Oder anders ausgedrückt: wenn das psychische Gleichgewicht dahingehend durcheinandergebracht ist, dass der Betreffende nicht (mehr) hinreichend in der Lage ist, ein zufriedenes Leben führen zu können, psychisches Leiden vordergründig wird, das soziale Leben durch die Symptomatik eingeschränkt wird bzw. eine Anpassung an die gegenwärtige Lebenssituation nicht hinreichend gelingen kann. Nach zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt 20-30% der Bevölkerung in ihrem psychischen Befinden, Erleben bzw. Verhalten so beeinträchtigt, dass die Kriterien für das Vorliegen mindestens einer psychischen Störung erfüllt sind. Natürlich kann nicht jeder 3. oder 4. unter uns nun sofort zu einem Psychotherapeuten gehen. Das wäre 1. logistisch gar nicht möglich und 2. auch nicht sinnvoll. In der Regel versucht jeder erst einmal, mit seinen ihm verfügbaren Mitteln seine „Störung“ selbst zu „behandeln“, was oft gelingt. Viele Probleme lösen sich auch von selbst bzw. werden durch Selbstheilungskräfte des Einzelnen und des ihn umgebenden Lebenssystems geheilt. Das gelingt aber nicht immer, zumal die heutige Zeit mit ihrer Schnelllebigkeit oft nicht genügend Zeit und Raum dafür zu lassen scheint. Private bzw. Liebesbeziehungen können heilen. Beziehungen können aber auch überfordert werden durch zu starke Heilungsbedürfnisse des Einzelnen (oder der Beteiligten).

In der Regel stellt der Haus- oder Facharzt fest, ob eine psychische Störung bzw. ein psychotherapeutischer Behandlungsbedarf vorliegen könnte und überweist entsprechend. Manchmal sind es auch nahe Angehörige, die ihrem Partner, Freund, Verwandten,... den Tip geben, sich beim Psychotherapeuten vorzustellen – vielleicht weil sie selbst schon positive Erfahrungen gemacht haben, oder von positiven Erfahrungen bei ähnlichen Problemstellungen gehört haben. 

Im Rahmen probatorischer Sitzungen werden der Behandlungsbedarf bzw. die Aussicht auf einen zu erwartenden Therapieerfolg zwischen Hilfesuchendem und Therapeuten gemeinsam festgestellt bzw. herausgearbeitet.

       Hypnosetherapie

Mit Hypnose und tranceähnlichen Zuständen wird schon seit Jahrtausenden und in vielen Kulturen geheilt bzw. zu heilen versucht. Mal war Hypnose modern, dann wieder out, aber immer wieder haben sich Mythen um sie gesponnen– und tun es noch. Im Raum schwebende Körper, Informationen aus "den Tiefen" des Unbewussten oder aus dem Reich der Toten, entfesselte übermenschliche Fähigkeiten, oder auch gegen den eigenen Willen handelnde Medien…

Wir alle kennen hypnoseähnliche Zustände: wie kurz vor dem Einschlafen, oder wenn wir in Tagträumen dem Hier und Jetzt entschweben…

Die moderne klinische Hypnose versucht, die Erfahrungen unserer professionellen Vorfahren und das jahrtausendealte Wissen  von Schamamen und Heilern unterschiedlichster Völker systematisch zu sammeln, wissenschaftlich zu untersuchen und aufzubereiten und zielgerichtet als therapeutische Methode weiterzuentwickeln und anzuwenden. 

 

Eine sehr interessante und weiterführende Lektüre zu diesem Thema finden Sie in „Hypnose, wie sie wirkt und wem sie hilft“ von Bärbel und Walter Bongartz.

 

Wobei kann klinische Hypnose helfen?

 

„Hypnose wird therapeutisch eingesetzt bei den sogenannten psychosomatischen Krankheiten wie bestimmten Formen von Magengeschwüren, Migräne, Herz-Kreislauf-problemen etc. aber auch bei Problemfällen der Psychotherapie sowie bei Ängsten, Depressionen und Zwängen.“ (Bongartz/Bongartz 1999 s.o.) Viele suchen auch Unterstützung bei ihren Bemühungen der Gewichtsreduktion oder bei der Nikotinentwöhnung. Klinische Hypnose kann psychische Entwicklungs- und Reifungsprozesse unterstützen und uns zu einem besseren Zugang zu uns selbst verhelfen. So wenig, wie beschreibbar ist, in welcher Weise Hypnose genau wirkt, so wenig ist sie in ihrem Wirkspektrum im Bereich der Psychotherapie beschränkt. Wichtig zu wissen ist, dass sie nicht gegen den Willen des Patienten/Probanden/ Hypnotisierten angewendet werden kann.

 

Ist jeder Mensch hypnotisierbar?

 

Nicht jeder Mensch spricht gleichermaßen auf eine Hypnoseeinleitung (-induktion) an. Die Fähigkeit, Hypnose erfahren zu können bzw. hypnotisierbar zu sein, entspricht nach Untersuchungen etwa einer Normalverteilungskurve. D.h. es gibt weniger Menschen, die sehr intensiv Hypnose erfahren können, es gibt weniger Menschen, die gar keine Hypnose erfahren können, die meisten Menschen können mehr oder weniger intensiv Hypnose erfahren. (Quelle: Bogartz/Bongartz, Hypnosetherapie, Hogrefe, 2000.)

 

Sicher hängt der Erfolg der Hypnosetherapie ebenfalls von der therapeutischen Beziehung zwischen Therapeut und Patient ab und von der Veränderungsmotivation des Hilfesuchenden – und den in ihm liegenden Veränderungswiderständen, welche nicht als negativ zu werten sind, sondern immer ihre Berechtigung haben und ggf. einer erhellenden Analyse bedürfen.

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© Psychotherapeutische Praxis Kauschke 2015